Feuer! schrien alle. Wie das eintrifft! dachte ich. […]
Aber schließlich wollten sie ja alle verbrennen,
um in die Zeitung zu kommen.
Karl Kraus: Der Traum ein Wiener Leben (1910)
Hier sieht man ihre Trümmer rauchen.
Der Rest ist nicht mehr zu gebrauchen.
Wilhelm Busch: Die fromme Helene (1872)
In den vergangenen Jahren haben Kritiker wiederholt die Frage aufgeworfen, ob das Osterfeuer eigentlich noch in die Zeit passt: Schließlich schnellen an diesem Abend die Feinstaubwerte in die Höhe, und in den Reisighaufen finden – wurden sie nicht kurz vor dem Entzünden noch einmal gewendet – unzählige Igel, Mäuse, Hasen zudem ihren bitteren Feuertod. Ja, das stimmt, doch gerade in Zeiten, in denen wir in unseren Wohnungen echte Kerzen gegen LED-Lichter austauschen, scheint das große gemeinschaftliche Lagerfeuer einmal im Jahr umso wichtiger zu werden. […] Jetzt, nach einem langen, kalten Winter, tut es vielen von uns gut, die Wärme des Osterfeuers auf unseren Wangen zu spüren und dem Funkenflug zuzusehen. Dieses Feuer zieht uns dabei mit seiner rohen Schlichtheit in seinen Bann.
Thomas Paterjey: Eine flammende Botschaft. Zwischen Funkentanz und Feinstaub: Das Osterfeuer ist ein wirkmächtiges Symbol. In: Hannoversche Allgemeine Zeitung, 4./5. April 2026