Im Jahr 1683 erschienen die ›Dialogues des morts‹, Autor war Bernard le Bouvier de Fontenelle (1657–1757). In diesen fiktiven Gesprächen wurden Personen der Geschichte zusammengebracht, die sich während ihres Lebens niemals begegnet waren. Es gab neben Fontenelle eine ganze Reihe anderer Autoren, die dieses Konversationsspiel pflegten, so Boileau, Fénelon, Voltaire, Henry Fielding und Christoph Martin Wieland (›Gespräche im Elysium‹, 1780). Aller Vorbild war aber Lukian (um 120 – um 180 n.u.Z.), der neben ›Göttergesprächen‹, ›Hetärengesprächen‹, ›Meergöttergesprächen‹ auch ›Totengespräche‹ verfaßte. Hier wird diese lange Tradition fortgeführt.

 Willy Millowitsch meets Karl-Eduard von Schnitzler

 Der Rheinländer ist durch und durch sanguinischer Natur; sein Blut rollt so leicht durch seine Adern wie frischgegorener Rheinwein, und seine Augen sehen immer munter und wohlgemut in die Welt hinaus. Er ist das Sonntagskind unter den Deutschen, dem die Welt immer schöner und das Leben immer heiterer erscheint als den übrigen. (Friedrich Engels: Rheinische Feste, 1842)

Gell du hast mich gelle gern / Gell un ich dich ach / Gell wann ich lache tu / Gell dann lachste ach / Wenn die Welt mir Böses bringt / Gell dann bitt ich dich / Gell du lässt mich nit / Gell du lässt mich nit / Gell du lässt mich nit im Stich. (Margit Sponheimer, Gesang; Franz Rüger, Text; Toni Haemmerle, Musik, 1965)


Karl-Eduard von Schnitzler:
Ich fühle mich in Köln, wo meine Familie herkommt, beinahe so zuhause wie in Berlin, wo ich geboren bin. Als kleines Kind habe ich auf Konrad Adenauers Schoß gesessen. Adenauer war damals Oberbürgermeister von Köln, aber auch Präsident des Preußischen Staatsrats. In dieser Funktion ist er oft nach Berlin gereist und hat meinen Vater besucht, beide waren seit gemeinsamen Kölner Zeiten befreundet. Die Familie Schnitzler ist eine Kölner Patrizierfamilie. Mein Vater war eine unbedarfte rheinische Frohnatur. Ich bin der Herr von Schnitzler.

Willy Millowitsch: »Kaum jemand verkörperte Köln so wie er.« Dat schreiben die Journalisten noch heute über mich. Ja, dat is doch nicht zum Aushalten! Wie kann ein Mensch eine janze Stadt darstellen? »Willy, wat wär Kölle ohne disch!« Ja, was wäre Köln ohne mich? Es würde auch ohne mich weitergehen, so wie es vor mir weitergegangen ist. Und was sacht der Weihbischof, als ich da aufjebahrt im Kölner Dom lieje, über mich? Ich sei »eine Allegorie dieser Stadt«. Wat is en ›Allegorie‹, fraache ich Sie? Dat hat der Weihbischof aus’er Zeitung aufjeschnappt, aus’m Nachruf auf mich, dat is nich auf dem sein eigen Mist jewachsen! Dann hat der Weihbischof noch jesacht: »Grüß mir den lieben Gott!« Ja, da hört sich doch alles auf! Dod is doch dod, da kann man doch keine Jrüße mehr weiterjeben. Von 1940 bis 1995 hab’ ich in Köln auf de Bühne jestanden. Zu Lebzeiten hab’ ich diesen Leuten den Jefallen jetan und hab jesungen: »Ich bin eine kölsche Jung«. Man muß als Künstler überleben, also hab’ ich denen nach dem Mund geredet, aber wissen Sie, dat Lied jeht ja noch weiter: »Wat soll ma mache«. Sehen Sie! Dat war praktisch meine reservatio mentalis, wenn Sie verstehen was ich meine: Ihr könnt’ mich mal, hab’ ich damit doch jesacht, ich jehöre euch nur als Kasper, aber ich selbst jehöre nur mir.

Karl-Eduard von Schnitzler: Sie hätten zu uns kommen sollen, da hätten Sie sich nicht verstellen müssen. Als anerkannter sozialistischer Staatskünstler hätten wir Sie in der Deutschen Demokratischen Republik geehrt und Ihnen alle Freiheit gelassen, die Bürgerinnen und Bürger der DDR zum Lachen zu bringen.

Willy Millowitsch: Nää, isch wees nich. Allein schon wechen de Schprache wär det doch nich jejangen.

Karl-Eduard von Schnitzler: ›Der Schwarze Kanal‹ führt Unrat und Abwässer. Aber statt auf Rieselfelder zu fließen, wie es eigentlich sein müßte, ergießt er sich Tag für Tag in hunderttausende westdeutsche und Westberliner Haushalte. Es ist der Kanal, auf welchem das westdeutsche Fernsehen sein Programm ausstrahlt: Der Schwarze Kanal. Und ihm werden wir uns von heute an jeden Montag zu dieser Stunde widmen, als Kläranlage gewissermaßen.

Willy Millowitsch: Ja, aber Herr von Schnitzler, haben Se einen Blackout? Se müssen doch jetzt nicht so tun, als wären wir auf Sendung. Wir sitzen hier in der Gaststube ›Zum fröhlichen Weinberg‹, den unser Carl Zuckmayer nach seinem Ableben hier hat einrichten lassen. Ich bin schon en Stammjast jeworden. Die Auswahl an Weinen is jewaltig und die Atmosphäre is schon schön. Neulich habe ich dort doch datsächlich die ›Lollo‹ jesehen, die Gina Lollobrigida. So ein kleiner bucklichter Mann scharwenzelte um sie herum. Ich bin dann an ihren Tisch getreten, habe mich vorgestellt — sie hatte noch nie von mir gehört — und dann habe ich eine meiner Aphorismen, eine meiner Lebensweisheiten zum besten gegeben: »Essen und Trinken sind die drei schönsten Dinge des Lebens.« Da hat sie doch tatsächlich ihr Weinglas jenommen und den Inhalt mir ins Jesicht jekippt! Ein Rasseweib! Wie auch immer: Mein Ajent hat mich jedenfalls beauftragt, mit Ihnen en Jespräch zu führen, da wir uns im Leben niemals begechnet sind. Dazu hat er mir eine Menge Papiere überlassen, dat habe ich denn auch allet jelesen und mir Notizen zu Ihrem Lebenslauf jemacht. Da sind ja schöne Dinge zum Vorschein jekommen, dat muß isch schon saachen. Seit die Akten von der Staatssicherheit freijegeben worden sind, kann man in die Lebensläufe so mancher ehemalicher Bürger der Täterä hineinschauen. Was alles in den russischen Geheimdienstarchiven und in Ihrem privaten Nachlaß liegt, war mir natürlich verschlossen. Na, und was Sie in Ihrer Autobiographie so alles verzählen, da bin ich doch skeptisch, ob das alles wahr ist, was Sie dem Leser da auftischen.

Karl-Eduard von Schnitzler: Und glauben Sie denn das alles, was in den Akten der Staatssicherheit festgehalten wurde? Wer sagt Ihnen denn, daß nicht vieles davon gefälscht worden ist, hmm? Die Genossen von der Staatssicherheit mochten mich nicht und haben deshalb manches in die Akten hineingeschrieben, um mich in den Augen der Partei- und Staatsspitze schlecht zu machen. Das MfS wollte ein Berufsverbot über mich verhängen, weil ich kein blinder Parteisoldat war.

Willy Millowitsch: Das würde ich so nicht unbedingt saachen. Hier habe ich ein janzes Konvolut, das sich damit beschäftigt, wie Sie mit Ihrem Wagen, einem VW-Cabrio, in den Westen jefahren sind, um sich mit Lebensmitteln, Spirituosen und schönen Kleidern für Ihre Frau zu versorgen. Ihre turnusmäßigen Dienstreisen in die Bundesrepublik sind sicher auch nicht gut bei den davon ausgeschlossenen Parteigenossen der SED angekommen. In einem Spitzelbericht heißt es, Sie seien eine »Abenteurernatur ohne festen Boden« und »auf den Hund gekommener Adel«.

Karl-Eduard von Schnitzler: Was denn? Sind Sie vom MfS beauftragt worden, mich hier zu verhören? Was fällt Ihnen ein, diese gefälschten Vorgänge liegen alle lange zurück.

Willy Millowitsch: Die gefälschten Vorgänge liejen alle lange zurück, dat is jut. Die Akten lüjen nicht. Jlauben Sie mir, dat is amtlich. Ja, das is teilweise schon kriminell. In der Silvesternacht 1960/61 haben Sie in betrunkenen Zustand einen Mann, einen Schuldirektor, totgefahren. Der Fall kam nicht vor ein Gericht. Aus den mir vorliegenden Akten geht hervor, daß ein Ermittlungsverfahren der Staatsanwaltschaft von Groß-Berlin gegen Sie eingestellt wurde und dann hat man die Akten an das ZK der SED abgegeben. Das ZK hat dann entschieden, die Anjelejenheit nicht mehr weiter zu verfolgen. Sie haben einen Menschen totgefahren und wurden dafür nicht zur Rechenschaft gezogen.

Karl-Eduard von Schnitzler: Hören Sie doch auf mit diesen Anschuldigungen! Ich habe mir nichts vorzuwerfen. Alles ist seinen sozialistischen Gang gegangen.

Willy Millowitsch: Ja, dat kenne ich jut. Dat heißt bei uns in Köln: Der Kölner Klüngel. Wenn ein Bauunternehmer wo bauen will und es jibt Schwierigkeiten mit dem Bauamt, dann weiß der Bauunternehmer, wie der weitere Vorjang auszusehen hat. Er läßt bei seinem Parteifreund anrufen und in wenigen Tagen läuft der Bau wie jeschmiert. Dat beruht alles auf Jejenseitigkeit. Jeder redet hier mit jedem, dat is die rheinische Form der Demokratie. Die Zeit nach 1815 aber war in Köln eine schwere Zeit für diese rheinische Form der Demokratie, weil da die Preußen die Verwaltung übernommen hatten. Da jing dat nicht mehr so jlatt wie vorher. Als Konrad Adenauer viel später dann Oberbürgermeister der Stadt Köln war, konnte man wieder freier Politik jestalten. Er nutzte sein Amt für die persönliche Nutzung wirtschaftlicher Vorteile. Mer kennt sich, mer hilft sich, hat er jesacht. Dat können Sie alles und noch viel mehr nachlesen in die Bücher ›Cliquen, Klüngel und Karrieren‹ (1992) von Erwin und Ute Scheuch und ›Colonia Corrupta. Globalisierung, Privatisierung und Korruption im Schatten des Kölner Klüngels‹ (2002) von dem Werner Rügemer. Da werden Ihnen die Augen überjehen, wenn Sie dat lesen, dat versichere isch Ihnen. Also, Ede! Sach’, daß de wat jenommen und im Vollrausch einen Menschen dodjefahren hast, dann verzeih’ isch dir.

Karl-Eduard von Schnitzler: Ich denke ja gar nicht daran. Und Sie brauchen sich auch keine Mühe zu geben, hier die westliche Korruption entlarven zu wollen. Das habe ich anhand von Fernsehausschnitten in meinem ›Schwarzen Kanal‹ ausgiebig und ausdauernd von 1960 bis 1989 getan. Sollte es in Ausnahmefällen auch bei uns in der Deutschen Demokratischen Republik zu Bestechungen gekommen sein, so hat unsere sozialistische Justiz sich der Fälle angenommen und harte Urteile gefällt.

Willy Millowitsch: Dat is ja alles Quatsch, wat du da verzählst. Bei Ihnen jedenfalls hat die Justiz beide Augen zugedrückt. Ich finde in den Akten der Stasi keinen Vermerk, daß Sie jemals vor Gericht gestanden sind.

Karl-Eduard von Schnitzler: Werden Sie nicht unverschämt! Ich habe mir niemals etwas zuschulden kommen lassen. Und ›Der Schwarze Kanal‹ war mein Lebenswerk, ein absolut neues Genre des kämpferischen Journalismus.

Willy Millowitsch: Nein, natürlich müssen Sie sich nichts vorwerfen, weil Sie jenug Freunde und Jenossen in den höchsten Partei- und Staatsämtern sitzen hatten. Die haben Ihre Eskapaden gedeckt, aber dafür wurden Sie dann auch erpreßbar und weisungsgebunden. Das machte Sie zum zynischen Opportunisten. Ihr Namensvetter Arthur Schnitzler läßt in seinem Theaterstück ›Fink und Fliederbusch‹ einen der Protagonisten sagen: »Zukunft der Presse — Identität der Gegensätze!« Wenn Sie von oben Weisungen erhalten haben, dann konnten Sie durchaus auch anders schreiben und haben westliche Politiker geschont, weil es jrade erwünscht wurde. Auch hat man Ihnen vorgeworfen, daß Ihre Kommentare nicht unbedingt immer Ihrer Gesinnung entsprochen haben, eine Doppelzüngigkeit habe Sie Ihr ganzes Leben begleitet. Und Ihr Hang zum ›süßen Leben‹, die vielen Affären mit solchen Frauen aus dem Theaterjewerbe, kam nicht jrade jut an. Ihre vielen amoureusen Eskapaden hat Ihnen denn auch in Kollejenkreisen den Spitznamen ›Schnarl-Eduard von Kitzler‹ einjetragen. Ich zitiere aus dem Auskunftsbericht der für die Medien zuständigen MfS-Hauptabteilung XX vom 12. Juni 1967: »Im Staatlichen Rundfunkkomitee Berlin war es Tagesgespräch, daß alle Neueinstellungen von Mädchen im Rundfunk erst durch das Bett von Schnitzler gehen.« Es liegen viele weitere detaillierte IM-Berichte über Ihre Bettgeschichten vor, die aus Gründen des Persönlichkeitsschutzes aber nicht zugänglich sind. Ich glaube, man hat in der DDR in Ihnen einen Bruder Leichtfuß gesehen, der offiziell die SED in den Himmel gelobt hat, aber privat ein schlimmer Finger war.

Karl-Eduard von Schnitzler: Ich bin es während meines ganzen Lebens gewohnt gewesen, daß Propagandisten aus dem Westen wie Sie mich beschuldigt und beschimpft haben. Bei mir stoßen Sie auf Granit. Damit kommen Sie bei mir nicht an. Und jetzt werde ich den Spieß einmal umdrehen und Sie entlarven. Sie sind gar kein Kölner! Sie sind in Düsseldorf geboren. Ihr Sohn Peter hat das wenige Wochen nach ihrem Tod zugegeben. Ihr Großvater war in Düsseldorf als Puppenspieler tätig, aber um als Kölner Original zu gelten und weil allgemein bekannt ist, daß es zwischen Köln und Düsseldorf Rivalität und sogar Haß gibt, haben Sie das niemals zugegeben, weil Sie gefürchtet haben, daß das Ihrem Image schaden könnte.

Willy Millowitsch: Ja, da haben Sie leider recht. Das war so, aber versetzen Sie sich einmal in meine Lage! Was sollte ich denn tun, nachdem ich in Köln immer erfolgreicher geworden war und das Lied vom ›Kölsche Jung‹ mich festband an diese Stadt? Im übrigen haben Sie in Ihren Fernsehsendungen ständig die Zitate aus dem Zusammenhang gelöst und damit den ursprünglichen Sinn verändert.

Karl-Eduard von Schnitzler: Sie verstehen überhaupt nichts vom Fernsehen.

Willy Millowitsch: Ich war für viele Jahre ein Teil des deutschen Fernsehens, der deutschen Fernsehunterhaltung.

Karl-Eduard von Schnitzler: Nun will ich Ihnen mal was sagen: Meine Tochter Barbara, die Schauspielerin ist, hat über mich in einem Dokumentarfilm gesagt: »Er war ein Witzeerzähler par excellence.« Und meine zweite Ehefrau, die Schauspielerin Inge Keller, hat über mich gesagt: »Sein Charme war par excellence.«

Willy Millowitsch: Nein, wirklich? Dat hätt’ ich jetzt nich für möglich jehalten. Ich habe mir einige Ihrer Fernsehkommentare anjesehen und anjehört. Wie Sie schon in die Kamera jeguckt haben! So jrimmich mit diese dicke Brillenjläser! Und dieser Hohn, mit dem Sie jedes Ereignis besprochen haben. Wenn man das dann ein paarmal sich anjehört hat, wußte man bei den foljenden Sendungen immer jleich, wat kommen wird. Aber einen Witz habe ich darin nie entdecken können. In den Berichten der Stasi-Spitzel gibt es allerdings Bemerkungen, wonach Sie politische und ›schweinische‹ Witze unbekümmert vor privatem Publikum erzählt haben.

Karl-Eduard von Schnitzler: Ich konnte doch keine Witze in der Sendung ›Der Schwarze Kanal‹ erzählen. Das war in dieser Sendung nicht angebracht. Da hatte ich anklägerisch aufzutreten. Meine Tochter meinte damit ja auch nur, daß ich im privaten Kreise ausgesprochen komisch sein konnte.

Willy Millowitsch: Hier is wat Komisches. In der DDR gab es einen Ausspruch: »Was ist ein Schnitz?« Eine Zeiteinheit, die benötigt wird, um montags nach dem beliebten UFA-Unterhaltungsfilm den ›Schwarzen Kanal‹ von und mit Karl-Eduard von Schnitz… — abzuschalten. Die Einschaltquoten wurden denn auch jeheimjehalten. Für die Jahre 1985 bis 1989 hat die Abteilung Zuschauerforschung des DDR-Fernsehens eine Sehbeteiligung von 4,9 % ermittelt. ›Der Schwarze Kanal‹ war auf das ideologische Bewußtsein der DDR-Bevölkerung gerichtet, aber das Komische ist, daß viel mehr westliche Fernsehzuschauer Ihre Sendung sich sogar gern angeschaut haben, weil Sie, wie man mir versicherte, die unfreiwillige Komik, die Sie mit Ihren  Kommentaren erzeugten, zu gern anhörten. Sie haben sich kaputtgelacht. Das galt auch für die Fernsehsendungen vom 1. Mai, wenn das DDR-Fernsehen die endlos langen Militärparaden zeigte und die jugendlichen Zuschauer im Westen sich über die surreale Darstellung amüsierten.

Karl-Eduard von Schnitzler: Für die Grenztruppen der Deutschen Demokratischen Republik war das Anschauen des ›Schwarzen Kanals‹ Pflicht. Das mußte auch so sein, denn nur so wurden die jungen Soldaten in dem Feindbild bestärkt, das sie brauchten, um ihren schweren Dienst durchführen zu können. Meine Frau und ich haben viele Weihnachten lang eine Einheit der Grenztruppen besucht und auf diese Weise unsere kämpferische Verbundenheit bekundet.

Willy Millowitsch: Ja, wat soll ich dazu noch sagen? Ich merke nur, daß ich Appetit bekomme. Wissen Sie was, ich werde für uns eine Spezialität des Hauses bestellen, der Wirt, unser deutscher Landsmann Carl Zuckmayer hat rheinhessischen Humor. Bei ihm im ›Fröhlichen Weinberg‹ kann man ein ›DDR-Jägerschnitzel mit Feuerwehrsauce‹ bestellen, also, aber das wissen Sie natürlich, dat is panierte Jachtwurst. Und dazu werde ich uns einen ›Staatsratsvorsitzenden‹ bestellen, einen klaren Schnaps mit einer Scheibe Leberwurst oben drauf. Nun schauen Sie doch nicht so wie eine beleidigte Leberwurst! Ich weiß, daß Sie über Ihre letzte Ehefrau, die ungarische Sängerin Márta Rafael einen Text für eine Schallplattenhülle verfaßt haben, worin es heißt: »Kleine Schnapsfläschchen aus aller Herren Länder sammelt sie, und zwar volle! Auf fast tausend hat sie’s gebracht und füllt mit diesem liebenswerten Hobby ganze Regale.« Deswegen werde ich Ihnen zu Ehren jetzt einen meiner erfolgreichsten Schlager vortragen: ›Schnaps, das war sein letztes Wort, dann trugen ihn die Englein fort‹.