Das tägliche Pensum: der Theodor Lessing-Blog
Hier wird alles glossiert, was in dieser Welt als wichtig erscheint oder manchmal auch nur so scheint. Ausgangspunkt dieser Kommentare wird, aber nicht immer, ein Zitat aus Theodor Lessings Gesamtwerk sein.
Der Name des Blogs ist dem 1930 erschienen Roman ›Fabian. Geschichte eines Moralisten‹ (ursprünglich: Der Gang vor die Hunde) von Erich Kästner entnommen. Gleich zu Anfang heißt es da: »Fabian saß in einem Café namens Spalteholz und las die Schlagzeilen der Abendblätter: Englisches Luftschiff explodiert über Beauvais, Strychnin lagert neben Linsen, Neunjähriges Mädchen aus dem Fenster gesprungen, Abermals erfolglose Ministerpräsidentenwahl, Der Mord im Lainzer Tiergarten, Skandal im städtischen Beschaffungsamt, Die künstliche Stimme in der Westentasche, Ruhrkohlenabsatz läßt nach, Die Geschenke für Reichsbahndirektor Neumann, Elefanten auf dem Bürgersteig, Nervosität an den Kaffeemärkten, Skandal um Clara Bow, Bevorstehender Streik von 140 000 Metallarbeitern, Verbrecherdrama in Chikago, Verhandlungen in Moskau über das Holzdumping, Starhembergjäger rebellieren. Das tägliche Pensum. Nichts Besonderes.«
Es ist nicht schwer, diese längst wieder vergessenen Nachrichten durch die täglich neuen Nachrichten zu ersetzen und sich zu fragen, welchen Nutzen sie für unser tägliches Leben haben. Neben Haupt- und Staatsaktionen gibt es immer wieder die kleinen Nachrichten, die sich wie die großen wiederholen und die Banalität des menschlichen Lebens abspiegeln.
Während wir täglich unser Pensum an Nachrichten aus aller Welt absolvieren, heißt das nicht, daß hier täglich auf diese Nachrichten reagiert werden wird. In den Pausen kann man sich stattdessen auf das Lesen von Büchern konzentrieren.
Aufgeweckt
Niedersachsens Umweltminister Olaf Lies liebt Kinder und den Lärm, den sie machen, wenn sie sich auf den Spielplätzen »austoben«. Dagegen ist nichts einzuwenden, wir waren alle einmal jung und haben gespielt, mehr oder minder laut. Doch Lies geht weiter. Er behauptet, das Austoben sei Voraussetzung und Bedingung für »aufgeweckte Kinder«. Synonyme für »aufgeweckt« sind: geistig rege, schlau oder smart. Wenn ich mich richtig erinnere, habe ich, um dies zu erreichen, Bücher gelesen und über ihren Inhalt nachgedacht. Doch Lies geht weiter. Er behauptet, durch Austoben auf dem Spielplatz würde die »Grundlage« dafür gelegt, dass »junge Leute« sich später »engagieren«: in Vereinen, der Gesellschaft und »auch in der Politik«. Das ist, wie mein alter Deutschlehrer einst sagte, eine weit hergeholte Vorstellung.